Am 30.12.2024 ging es für uns wieder weiter. Der Plan war es mit dem Zug von Livingstone bis nach Lusaka zu fahren. Am Nachmittag hatten wir unsere Tickets gekauft: First class sleeper für umgerechnet 10€ pro Person. Wir waren ein bisschen aufgeregt es war aber eher ein schönes aufgeregt sein. Wir sind auf unserer Reise ja noch nie Zug gefahren. Ich hatte mich sehr gefreut, da man im Zug ja auch ein bisschen laufen, aus dem Fenster schauen oder mal aussteigen kann. Und dieser Zug sollte ja schon sehr anders werden als Züge in Europa.
Woran man erkennt, dass wir Deutsche sind ist eindeutig unsere Pünktlichkeit. Die Frau am Schalter sagte, dass ab 19:00 Check-in ist und so waren wir natürlich um 18:55 da.
Bis wir dann aber einsteigen konnten und der Zug losfuhr brauchte es noch zwei Stunden. In der Zeit wurden alles mögliche in die letzten paar Güterwagen eingeräumt. Hier gab es wirklich alles: Säcke mit Kartoffeln und anderen Lebensmitteln, Möbel, Koffer und sogar Hühner und Ziegen. Was ich auch noch beeindrucken fand war wie viel essen die Menschen mitgenommen haben. So viel Toastbrot und Softdrinks. Die Atmosphäre war wirklich gut. Die Menschen waren nett. Obwohl man hier noch öfter angeschaut wurde als in der Stadt. Touristen in diesem Zug sind anscheinend wirklich besonders. Besonders bei Kindern war es immer besonders süß, wenn sie einen ganz verlegen anlächeln.



Das war unser Abteil: Zwei Liegen, ein Tisch und ein Fenster das war’s. Die Tür war auch noch kaputt, sodass man sie fast nicht auf und zu bekam. Ich muss sagen, dass ich ein bisschen enttäuscht war. Ich hatte zwar erwartet, dass es alt und ein bisschen ranzig war, aber nicht so eklig und dreckig. Die Liege war sogar so dreckig, dass wir uns die meiste Zeit nur auf den sauberen Schlafsack gesetzt haben. Und ich bin jetzt wirklich kleiner, der alles eklig findet.
Ich habe mich so oft auf der Fahrt gefragt, warum denn alles kaputt sein muss. Ich weiß die Züge sind alt und an jeder Stelle fehlt Geld, trotzdem frage ich mich oft warum denn keiner die kaputten Sachen repariert. In Deutschland wäre ein Argument: weil Personalkosten eben teuer sind. Hier habe ich aber das Gefühl, dass es genau andersrum ist. Es gibt so viele Menschen die Jobs machen, die in Deutschland niemand machen würde, weil es zu teuer ist. Zum Beispiel: Menschen an Toren zum aufpassen, menschliche Parkautomaten sind nicht selten, manche lenken den Verkehr. Genauso im Zug: Der Boden im Zug wurde so oft von jemand gewischt, da dachte ich mir: repariert doch mal das kaputte Fenster oder die Tür und und und. Naja so ist der Zug eben nicht nur einfach und alt, sondern auch kaputt und eklig.
Am Abend habe ich noch ein bisschen aus der offenen Tür geschaut. Das war auch surreal; mit offener Tür bei 30 km/h auf dem Boden sitzen mit Füßen aus dem Wagen und in die grüne Landschaft schauen. Nachdem wir wirklich müde wurden, versuchten wir ein bisschen zu schlafen, was bei dem Schaukeln und Klackern aber schwierig war. Irgendwann schläft man dann eigentlich doch immer ein.
Am nächsten Morgen wurde uns eins klar: Irgendwas stimmt nicht. Wir haben auf Google Maps erst die Hälfte geschafft und sollte man die Zeit jetzt verdoppeln, dann wird es knapp, dass wir rechtzeitig ankommen. So wurde aus 14:30 Ankunft in Lusaka in unserem Kopf 16:00. Nach und nach 17, 18, 19, 20 Uhr. Wir hatten eigentlich gedacht, dass wir dann den Abend schön zusammen verbringen können; im Hostel sitzen, unser Jahr Revue passieren lassen und vielleicht uns ein paar Sachen für das neue Jahr vornehmen. Und natürlich Silvester feiern. Der Abend wurde dann immer schlimmer. Wir haben uns immer weiter überlegt wie lange wir noch brauchen und was wir jetzt machen wollen. Wir waren so müde und fertig, dass wirklich alles schrecklich war. Jeder weitere unnötig lange Stop, jedes Mal wenn man aufs Klo wollte und alles eklig war. Wir hatten ja auch nicht essen für so lange mitgenommen, so wurde das Essen und Trinken auch noch immer knapper. Was auch noch besonders schlimm war, war der Geruch. Das Klo stank, der Gang stank, wegen dem ekligen Waschwasser und vor uns im Abteil war eine kranke Frau, die wirklich sehr, sehr unangenehm roch. Jedes Mal wenn die Tür von denen aufging und unsere auch offen war stank es. Manchmal kam auch noch ein ekliger Geruch von draußen herein. Viele Dörfer hatten ihre Mülldeponien quasi direkt an den Gleisen. Bei dem ganzen Gefühlen und dem Stress hatten wir uns auch noch so angezickt. Es wurde erst nachdem wir einmal Tränen vergossen und uns über alles aufgeregt hatten wirklich besser.
Irgendwie hatten wir uns damit abgefunden, dass dieses Jahr Silvester im Zug stattfindet. Nicht schön, aber besonders und es bleibt in Erinnerung. Wir waren so müde, dass wir Silvester fast verschlafen hätten. Drei Minuten vor Null ist Lia aufgewacht und hat mich geweckt, dann gab es ein kurzes Feuerwerk und fünf Minuten später ist Lia aber auch wieder eingeschlafen. Ich bin noch wach geblieben und habe mir ein bisschen Sorgen gemacht, dass sich meine Eltern Sogen machen. Eigentlich gehört es für uns dazu, dass wir an Silvester telefonieren und jetzt habe ich mich schon seit über einem Tag nicht gemeldet. Ich habe dann zwei mal versucht Internet von anderen Menschen zu bekommen aber das funktionierte leider nicht.
In Kafue, 45 km vor Lusaka, an dem Ort wo wir Silvester feierten standen wir dann fast drei Stunden herum. Das ist ein gutes Beispiel für wie lange unsere Halte waren. Besonders schlimm waren die Halte irgendwo im nirgendwo. Manchmal gab es wirklich nur 5 Strohhütten und wir haben 15 Minuten gehalten.









Morgens standen wir dann wieder. Diesmal war es die Lok. Unsere Lok wurde dann aber wieder repariert. Genau haben wir nicht mitbekommen, wie lange wir am Ende standen, aber es war lange. Ich glaube so ab dem Morgengrauen standen wir und es ging erst wieder um 9:00 los. Was echt frustrierend war, dass wir wirklich fast da waren.









Nur zwei, drei Kilometer weiter machte unsere Lok dann vollkommen schlapp. So gut wurde sie dann anscheinend doch nicht repariert. Nachdem ich draußen geschaut habe was los ist, wurde uns gesagt, dass sie jetzt eine andere Lok holen, diese Lok kommt aber erst um 18:00 an. Wir hatten uns sofort entschieden, dass wir bis zur nächsten großen Straße laufen und dann trampen oder ein Taxi nehmen. Wir sammelten alle unsere Sachen zusammen und sprangen aus dem Zug. Es hat sich so gut angefüllt endlich aus diesem Zug draußen zu sein.

An der nächsten Straße wurden wir dann für nichtmal zwei Euro pro Person in die letzten 20 km in die Stadt genommen. Unser Minibus in die Stadt war so groß wie ein VW-Bus, vollkommen verbeult und kaputt aber er hat funktioniert. In den Bus haben 19 Leute gepasst plus Kinder und Gepäck.

Am großen Busbahnhof mussten wir in einen etwas größeren Bus umsteigen und dann ging es für uns ins Hostel. Hostel Natwange Backpackers. Hier fühlte es sich wieder wie eine grüne Oase in der lauten und dreckigen Stadt an. Hier konnten wir unsere Eltern beruhigen, dass wir noch leben und uns natürlich von der Horrorfahrt erholen.

Gerade sitze ich im Bus kurz vor Lilongwe in Malawi. Unser Plan ist es heute in Lilongwe eine Nacht zu übernachten und dann sofort weiter nach Nkhata Bay zu fahren. Das ist eine kleine Hafenstadt am großen Malawisee. Hier gibt es zwei anscheinend sehr beliebte Hostels, die uns schon mehrere Male empfohlen wurden. Wir und besonders Lia freuen uns auf die Natur dort. Wir haben nämlich gerade gar kein Bock mehr auf große Städte.
Der nächste Blog beschreibt dann vermutlich die Tage in Lusaka und die Reise nach Nkhata Bay.
Tschüssi

