Ankommen in Neuseeland und unser Road-Trip auf der Nordinsel

Hallo Leute, es geht wieder weiter.

Es ist jetzt schon eine Weile her, dass wir in Neuseeland gelandet sind. Damals war alles noch ganz anders: wir haben noch gar nichts von diesem Land gesehen und wir hatten noch ganz andere Pläne. Mein Plan war es hier zu arbeiten, einen Van zu mieten und dann mit Lia nach New York zu fliegen. Dort wollten wir ihre Eltern treffen, uns eine Woche die Stadt anschauen und dann zurück nach Deutschland. Das war eine sehr schöne Idee. Besonders der Gedanke, dass ich mit Lia, einmal um die Welt gereist bin, war sehr schön.

Als wir in Neuseeland angekommen sind hatte sich mal wieder alles ganz krass angefüllt. Es war alles wieder ganz aufregend und toll. Dann hatten wir aber ein bisschen einen kleinen Temperatur-Schock. Es ging für uns aus dem japanischen Frühling in den neuseeländischen Herbst. Es war grau und regnerisch. Wir hatten aber trotzdem sehr viel vor, da wir jetzt einen Job finden mussten und alles dafür klären mussten. Und so haben wir angefangen uns um unsere Steuernummer, ein neuseeländisches Konto und einen Job zu kümmern. Letzteres war sehr viel schwieriger als erwartet. Ich glaube man kann am Ende sagen, dass ich es unterschätzt haben, wie schwer es sein kann einen Job zu finden. Ich habe vor allem nicht daran gedacht, dass ich an dem Zeitpunkt der Reise, vielleicht einfach keine Kraft mehr habe mich um all das zu kümmern. Jeden Tag wollte ich mich aufraffen, dass ich zum Beispiel in Hostels oder in Restaurants frage, aber es war zu schwer und zu anstrengend für mich. So stellte sich nach und nach die Frage, wie es jetzt für mich weitergeht. Ich habe mir dann verschiedene Modelle überlegt, am Ende kamen alle aber leider zum gleichen Schluss: Ich muss früher nach Hause. Das war dann schon sehr hart. Ich habe lange nicht mehr so geweint. Besonders, dass ich alleine nach Hause komme war ganz schlimm für mich. Ich bin doch mit Lia gestartet und ich habe mich schon so gefreut mit ihr ihre Eltern zu treffen und dann gemeinsam zuhause anzukommen. Wahrscheinlich fühlt es sich in Stuttgart dann so an, als ob ich etwas in Neuseeland vergessen habe.

Für uns war es klar, dass wir die letzte gemeinsame Zeit auf der Reise nochmal ganz genießen wollen. Und obwohl die Entscheidung ganz hart war, fühle ich mich jetzt so viel besser damit. Dieses Gefühl, dass ich schon seit Japan hatte ist jetzt weg. So hieß es für uns: einen Van mieten und die Insel erkunden. Ich glaube vier Tage nach der Entscheidung hatten wir dann schon unseren Van. Naja eigentlich ist es nur ein größeres Auto mit Bett, kleiner Küche und Klo.

Bevor ich von unserem Road-Trip über die Nordinsel erzähle, möchte ich aber natürlich noch kurz von Auckland erzählen. Ich muss sagen, dass ich mir Neuseeland insgesamt viel schicker vorgestellt habe. Der Flughafen war schick und so, wie ich es mir vorgestellt habe, aber Auckland war schon sehr abgeratzt. Auckland besteht aus einer kleinen Innenstadt mit ein paar alten Gebäuden, ein paar neue Gebäude aus Glass und vielen wirklichen hässlichen Häusern. Viele Läden sind entweder schon verlassen oder Läden, die es mal probieren. Bisschen wie in der Königstrasse am Hauptbahnhof, wo es jeder mal probieren kann ein Laden aufzumachen. Irgendwie hat es dann an vielen Ecken schon was. Besonders Abends erinnerte es mich ein bisschen an eine deutsche Großstadt. Überall geht was ab, man kann überall etwas essen oder feiern gehen und alles ist etwas abgeratzt. Der Hafen ist auch noch sehenswert, genauso wie einer der Hügel, von wo man die Stadt anschauen kann.

Am 16. Mai ging es dann mit unseren Rucksäcken und vollgepackten Taschen zu unserer Camper-Vermietung. Mit einem Code, den wir per Email bekommen hatten, bekamen wir den Schlüssel für unser Auto. So mussten wir es nur noch suchen und dann konnte unser Abendteuer beginnen. Es hatte sich irgendwie so komisch angefühlt, dass niemand kontrollieren wollte, dass wir Auto fahren können oder alt genug sind. Wir sind jetzt wohl ganz erwachsen.

Lia ist die ersten paar Kilometer gefahren und war sehr sehr aufgeregt. Auf der linken Seite zu fahren und dann noch mit einem neuen Auto, dass uns nicht gehört, war schon sehr aufregend. Wir haben bei den ersten Kreuzungen immer gemeinsam laut überlegt, wohin wir müssen, damit wir nicht in den Gegenverkehr fahren. Das ging dann doch schneller als erwartet ganz gut und sicher, obwohl wir die ersten Tage öfter mal den Scheibenwischer anstatt den Blinker angemacht hatten.

Nachdem wir das erste Mal in einem der großen Supermärkte, die man aus den USA kennt, eingekauft hatten ging es für uns wirklich los. Wir fuhren auf einem Highway Richtung Süden und dann weiter zur Küste nach Coromandel. Die Straßen wurden kleiner, der Verkehr wurde weniger und die Natur wurde beeindruckender. Hier bekamen wir das erste Mal selbst ein bisschen zu spüren, wie abwechslungsreich die Natur in Neuseeland ist.

Unser erster Schlafplatz war ein extra für Camper freigegebener Parkplatz in einem kleinen Ort. Es gab 2 Minuten entfernt eine Toilette und eine Bank mit Tisch, also nichts krasses, aber für eine Nacht vollkommen okay.

Am nächsten Tag führen wir ein paar Stunden an der Küste entlang, genauer gesagt bis nach Tairua, falls jemand nachschauen möchte. Auf dem Weg haben wir uns drei Strände angeschaut, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Der erste erinnerte mich ein bisschen an das Mittelmeer, beim zweiten mussten wir an die Kreidefelsen an der Nordsee denken und der dritte erinnerte mich ein bisschen mehr an den Atlantik. Das besondere am letzten Strand war, dass hier an manchen Stellen heißes Wasser aus dem Boden kam. Manchmal war das Wasser sogar so heiß, dass man sich fast verbrannt hatte.

Der neuseeländische Farn/Palme
Der Hot Water Beach

Unser nächster Tag war eigentlich nur ein Fahr-Tag. Auf dem Weg ins Inland wurde das Wetter immer schlechter und wir haben uns schnell entschieden nicht heute mehr zu den Hobbits zu gehen. Und unser Plan ging vollkommen auf: am nächsten Tag war das Wetter wieder wunderschön. Am Abend, auf diesem Stellplatz unter den Bäumen am See, war alles echt gruselig aber am nächsten Morgen war natürlich alles vollkommen harmlos.

Lia ist ein riesiger Herr der Ringe Fan und deshalb hat sie sich schon ganz arg auf Hobbingen gefreut. Zum Trauer von Lia habe ich aber echt gar keine Ahnung von der Geschichte. Als wir morgens los wollten hatten wir kurz sehr Panik. Warum auch immer konnten wir den Schlüssel im Schloss nicht drehen. Nach vielen Versuchen hat es dann aber doch geklappt und wir mussten niemand anderen fragen. Zum Glück hatten wir ordentlich Luft eingeplant und so hatten wir noch ordentlich Zeit, bevor unsere Führung angefangen hat. Wir wurden mit einem Bus bis zu den ehemaligen Drehorten von Hobbingen gefahren. Hier wurde uns dann fast 3 Stunden alles mögliche gezeigt und erklärt. Lia hatte mir natürlich kurz vorher noch schnell einen kleinen Crashkurs gegeben. An diesem Bild erkennt man glaube ich ganz gut, wie begeistert Lia war:

Unser nächster Halt sollte das sogenannte Wonderland sein. Hier kann man zuschauen, wie Gase aus der Erde kommen. So sieht man zum Beispiel kleine Seen mit Schwefelwasser, heiße Quellen und buntes Gestein. Zischen Hobbingen und Wonderland hatten wir uns einen Stellplatz am See herausgesucht. Es war sogar ein ganz toller, weil: mit sauberer Toilette, Spülbecken und schöner Aussicht auf den See.

Am Abend hatten wir noch eine sehr nette Unterhaltung mit einem Amerikaner und wir können wirklich klar sagen, dass es der netteste Amerikaner war, den wir je auf der Reise gesehen haben. Jetzt, wo Trump Präsident ist hat er uns auch nur ganz beschämt gesagt, dass er Amerikaner ist.

Der nächste Tag bestand aus dem Wonderland und noch einer Etappe Fahren. Das Wonderland war schon schön und interessant, aber es roch schon sehr nach verfaulten Eiern. Mir war also die ganze Zeit ein bisschen schlecht.

Anschließend sind wir noch ein ordentliches Stück gefahren. Wir fuhren am größten See Neuseelands entlang bis in die Nähe des Togariro Nationalparks. Im Wald gab es einen Grillplatz, der für Camper freigegeben war, bei dem wir unser Auto für die Nacht abstellten. Nachdem die Sonne untergegangen ist wurde es so krass kalt, dass es kaum erträglich war, draußen zu kochen und am nächsten Morgen war alles voller Eis. Wir mussten die Scheibe von innen und von außen kratzen. Daraus haben wir viel gelernt, sodass wir jetzt nicht mehr so spät abends kochen und das Auto dann nicht offen haben. Genauso wurden auch die Schlafsäcke aus dem Kofferraum geholt.

Das Tongariro Crossing ist eine Wanderung im Tongariro Nationalpark, was wir am nächsten Morgen machen wollten. Der Nationalpark besteht aus einigen, teils noch aktiven Vulkanen und auch hier wurde ein großer Teil der Herr der Ringe Serie gedreht: Mordor mit dem Schicksalsberg.

Am Morgen ging es für uns ganz früh los, da die Wanderung 6 bis 8 Stunden brauchen soll. Für die Wanderung braucht man ein Shuttle, weil der Start- und Endpunkt nicht der selbe ist. So ging es für uns um 7:15 mit dem Shuttle Richtung Start der Wanderung. Während unserer 30 minütlichen Fahrt ging die Sonne langsam auf und leuchtete schonmal unser Ziel an. Unsere Wanderung ging nun durch die karge Vulkanlandschaft mit Schwefelseen und schöner Landschaft. Lia hat es natürlich wieder besonders gefallen, da wir durch das echte Mordor gelaufen sind und es sich angefühlt hat, als ob man gerade selbst dort ist.

Nach der wirklich langen Wanderung waren wir natürlich echt müde und erschöpft. Wir hatten aber noch eine lange Weiterfahrt. Eigentlich wollten wir nur noch eine Stunde fahren und uns dann einen Platz suchen. Die Plätze, die wir auf unserer App gefunden hatten fanden wir aber irgendwie nicht gut und so sind wir weiter gefahren. Wir haben uns aber immer unwohler gefühlt und so ging es immer weiter. Dazu kam noch, dass wir unterschätz hatten, wie bergig die Straße ist, also brauchte alles länger. Als es dunkel wurde und dann die Straße noch voller einspurigen Abschnitten bestand zog sich die Strecke sehr. Lia ist immer noch sehr stolz, dass ich keines der vielen Possums überfahren habe, die auf der Straße waren. Ich konnte aber auch wirklich stark bremsen, weil weit und breit kein anderes Auto war. Als wir endlich in unserer Ziel-Stadt angekommen waren, sind wir wie Zombies in einen Supermarkt gegangen und haben uns eingedeckt. Unser Schlafplatz für diese Nacht war dann dieser:

Nach den letzten aufregenden und anstrengenden Tagen haben wir den nächsten Tage fast nichts gemacht. Wir haben in Stratford, der Stadt, wo wir am Abend eingekauft haben, nochmal eingekauft, getankt und das Auto ein bisschen aufgeräumt. Anschließend sind wir noch ein bisschen weiter zum Mount Egmont gefahren. Das ist wieder mal ein Vulkan. Das besondere an diesem Vulkan ist, dass er ganz alleine in der Ebene steht. Ein bisschen wie der Fuji oder der Kilimandscharo. Unten links kann man den Berg ganz deutlich auf dem Luftbild bei Google Maps erkennen. Den restlichen Tag haben wir gar nichts unternommen und sind einfach dort geblieben. Den ganzen nächsten Tag haben wir dann dort verbracht. Ich habe den Blog geschrieben, Lia ist zu einem Wasserfall gewandert und sonst haben wir uns einfach nur ausgeruht und die Landschaft genossen. Das war ein toller Tag.

Am nächsten Tag ging es aber schon wieder los. Der Berg hat quasi zwei Spitzen: die normale Spitze in der Mitte und eine kleinere an der Seite. Hier ist auch eine Hütte, welche wir uns als Ziel ausgesucht hatten. Die Wanderung war zwar nicht so lange, wie das Tongariro Crossing, aber viel anstrengender. Der Wanderweg war wirklich einfach gerade den Berg noch. So einen geraden Weg habe ich glaube ich noch nie gesehen. Um die vielen Höhenmeter zurückzulegen bestand der weg eigentlich nur aus Treppen. Erst durch den Wald, dann den Berg hoch und als sie schließlich aufgehört haben ging es einfach gerade ein Geröllfeld hoch. Bei jedem Schritt hoch rutschte man ein bisschen runter – das war so anstrengend. Oben angekommen hatten wir aber eine wirklich sehr sehr tolle Aussicht auf das Meer, den Berg mit Schnee, den Wald, die Ebene und am Horizont den Schicksalsberg. Der Rückweg war fast nochmal härter als der Hinweg. Besonders die Knie taten bei jeder Treppenstufe weh.

Aber wir haben es geschafft und konnten uns unten ein bisschen ausruhen, bevor es noch ein wenig weiter ging. Kurz vor unserem Ziel gab es eine wirklich notwendige Dusche in einem Schwimmbad. Das schöne ist, dass man in Neuseeland oft in Schwimmbädern nur duschen kann.

Danach ging es noch zu einem Parkplatz, auf dem wir diesmal übernachtet hatten. Hier hatten wir gutes Internet, was für den nächsten Morgen sehr wichtig war. Es war nämlich Finaltag. Der VfB sollte an diesem Tag Pokalsieger werden und da muss ich natürlich, wenn ich schon nicht in Stuttgart oder in Berlin bin, dabei sein. Um 5:00 klingelte mein Wecker, sodass ich wirklich alles anschauen konnte: von Vorbericht über das Spiel bis zur Siegerehrung. Es war zwar nicht so schön, wie auf dem Schlossplatz mit meinen Freunden, aber dafür besonders. Allein um 6 Uhr morgens auf einem Parkplatz in Neuseeland im Auto, Lia schläft und ich juble leise bei den Toren.

Unser nächstes Ziel war dann Wellington. Von hier ging unsere Fähre nach Picton auf die Südinsel. Auf dem Weg nach Wellington hatten wir aber noch zwei Stopps vor Wellington. Der Erste war ein großer Kiesstrand, mit schöner Aussicht und der Zweite war ein Stellplatz in der Nähe von Wellington. Hier an der steilen Küste war es sehr windig und es hatte eine ganz besondere Stimmung. Beide Plätze waren vollkommen verschieden, genauso wie die Stimmung dort.

Zwei Nächte hatten wir dann noch direkt in Wellington verbracht, so konnten wir an einem Tag die Stadt anschauen und dann am nächsten Morgen auf die Fähre.

Leider haben wir wirklich gar kein Bild aus der Stadt, aber ich kann ja mal kurz erklären wie’s war. Wir hatten uns gefreut, dass man endlich mal wieder in einer Stadt zu Fuß unterwegs sein kann und wollten zu Fuß vom Parkplatz bis in die Stadt. Das stellte sich teilweise ein bisschen schwieriger heraus, als erhofft, weil wir nicht so einfach über einen Hügel kamen. Dafür hatten wir von hier eine schöne Aussicht und konnten die Häuser beäugen. Je näher wir der Innenstadt kamen desto schöner wurde die Stadt: Die Straßen wurden kleiner und die Häuser veränderten sich von amerikanischen Holzhäusern zu „richtigen“ Steinhäusern. In der Stadt hatten wir uns ein paar Läden angeschaut und eine Pizza gegessen und dann sind wir mit dem Bus zu unserem Zuhause gefahren.

Vor Angst, dass wir die Fähre am Morgen verpassen würden, haben wir wieder mal ganz viele Wecker gestellt. Es hat aber funktioniert: wir sind rechtzeitig aufgestanden und so waren wir, als einer der Ersten, bei der Fähre.

Wie es weiter geht erfahrt ihr im nächsten Blog 🙂